Maria von Welser

Sie haben einfach ein wunderbares, so liebevolles Fest ausgerichtet: Conny Hermann, meine ehemalige Nachfolgerin als Redaktionsleiterin beim ZDF-Frauenjournals ML Mona Lisa zusammen mit dem Personalratsvorsitzenden Thomas Goetsch. Conny ist es gelungen fast alle Kolleginnen und Kollegen aus den 29 Jahren des Frauenjournals aufzustöbern, zusammenzutrommeln und zu feiern. Die Kantine im Landesstudio München wurde umgeräumt, dekoriert und mit fetziger Musik, vielen bunten Luftballonen und Bildern aus all den Jahren schön geschmückt. Für mich hat sich ein Kreis geschlossen, und, wie sagt Conny so nett "Maria hatte damals 1988 das erste Wort, sie soll auch das letzte haben":

" Wirklich eine wunderbare Geste dieses Abschiedsfest. Jetzt - genau 30 Jahre ist es her, ja, ich habe nachgezählt, dass auf meinem Anrufbeantworter ein gewisser Herr Stolte war, der mich sprechen wollte.
Ich habe erst gedacht, mich nimmt jemand auf den Arm...
Wie es weiterging, wissen Sie ja alle.

Wenn ich jetzt heute hier in Unterföhring stehen darf, dann bin ich in erster Linie glücklich und stolz. Auf Sie alle hier. Denn ML Mona Lisa hat doch in diesen langen Jahren sehr oft die Schlagzeilen bestimmt, hat die Pace gemacht, wenn es um Gerechtigkeit, Fairness, Frauen und Kinder ging. In den letzten Sendungen ist ja alles noch einmal zusammengefasst worden. Darüber will ich jetzt auch gar nicht sprechen. Aber wenn ich in einer fremden Stadt Taxi fahre, und mich ein junger Ausländer am Steuer anguckt, und sagt: "Sie kenn ich doch..." weil ich immer Sonntags mit meiner Mutter am Sofa Ml Mona Lisa gucken musste...dann weiß ich, dass es ML Mona Lisa geschafft hat, dass Mona Lisa eine Marke ist, ein Brand. Randbemerkung: den sollte man nicht aufgeben, heißt es nicht nur in der Werbebranche...Und kein ARD-Intendant käme auf die Idee die Marken "Report", "Monitor" oder "Panorama" einzustellen. Sicherlich: die Personen auswechseln, die Moderatoren, die Inhalte. Aber nie und nimmer die Marke!

Ich will ihnen jetzt aber vor allem Mut machen. Mut zu einem neuen Anfang. Ich weiß, das ist nicht immer leicht. Aber wie ich gehört habe, haben alle Kolleginnen und Kollegen von ML Mona Lisa ein neues Jobangebot erhalten. Sicher- in Mainz, auf dem Lerschenbersch...so sagen die da. Und sie sagen auch: Ei, gute Morsche....
Aber: es ist ein Job für eine Journalistin, einen Journalisten. Und ein Bundeswehroffizier zieht viel öfter um, als wir das so gemeinhin in Deutschland gewohnt sind. Ich habe so einen geheiratet, wie Sie wissen...

Ich weiß auch sehr wohl, wie wir Frauen und verantwortlich fühlen für die Familie. Für die Schulnoten der Kinder, das Wohl und Wehe unserer Angetrauten. Ich verrate ja kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass Männer da schmerzfreier sind, wenn es um einen Job geht an einem anderen Wohnort...es geht also für sie alle weiter. Und das ist ja schon mal eine gute Nachricht.

Sie werden dann in gemischten Teams arbeiten. Auch nicht schlecht, glauben Sie mir. Es wird ganz neue Themen geben. Aber eines möchte ich an dieser Stelle dennoch in Erinnerung rufen und Sie herzlich bitten das nie zu vergessen: für Frauen und Mädchen ist noch einiges zu tun in diesem Land. Immer noch bekommen wir nicht das gleiche Geld für gleiche Arbeit. Der Lohngap beträgt 22 Prozent. Im Jahre 2017.

Es gibt sie immer noch nicht flächendeckend, die Ganztagsschulen und Ganztagskindergärten. Damit wir Frauen uns, wie die Männer, gleichermaßen entscheiden können für den Job, für eine längere Pause oder gar für die Herdprämie....
Mehr als jede zweite Mutter in Deutschland arbeitet auch dann noch in Teilzeit, wenn das jüngste Kind schon längst über 12 Jahre ist. Weil es kein Rückkehrrecht auf einen vollen Job gibt. Was andererseits aber geradewegs in die Altersarmut führt, weil sich mit einem Teilzeitjob einfach keine faire Rente erarbeiten läßt.

Dabei zählen wir Frauen zur Hochrisikogruppe für Altersarmut. Was doppelt ungerecht ist, da wir doch, und jede von Ihnen weiß das, unverändert die Hauptlast der Arbeit im Haus und in der Familie tragen.
Wenn wir dann arbeiten- siehe oben: 22 Prozent weniger Geld.
Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Und wenn ich dann noch in einer aktuellen Meldung lese, das wir Frauen im Laufe unseres Erwerbslebens fast 50 Prozent weniger als Männer verdienen, ich sage dabei lieber: bekommen, dann ist einfach immer noch viel zu wenig in Sachen Gleichberechtigung in diesem Lande passiert, seit Elisabeth Selbert den Paragraphen 3 im GG durchgesetzt hat.....

Wenn wir uns aber einig sind, dass unsere Rechte vehement durchgesetzt werden müssen, in den Parlamenten, dann wird es im September nach der Wahl- so die Prognosen noch bitterer: so wenige Frauen werden im Bundestag wohl seit Jahrzehnten nicht mehr sitzen, egal wer mit wem koaliert. Weil die Parteien weniger Frauen aufgestellt haben für die Listen, die FDP tut sich da besonders hervor, da unkt man schon: Frauen dürfen Pause....

Das ist jetzt aber nur ein kleiner Blick auf unsere Situation hier. Sie wissen, ich habe mich in den letzten Jahren international um Frauen gekümmert, in Afghanistan, in Indien, im Kongo, in den Flüchtlingslagern im Libanon, in Jordanien, in der Türkei und auf den griechischen Inseln. Wo bis jetzt 6 Millionen Flüchtlingsfrauen mit ihren Kindern festsitzen, sie können nicht vor, nicht zurück. Wenigstens hat das World Food Programm die monatlichen Zahlungen wieder auf die einstige Höhe von 29 Dollar angehoben. 1 Dollar- am Tag.

Diese Schicksale sollten wir auch nicht vergessen und übersehen. Jetzt aber wollen wir einfach fröhlich feiern. Miteinander reden, uns austauschen. Ich freue mich darauf und danke nochmal Conny und dem Personalrat für die schöne Idee eines Abschiedsfestes- das vielleicht und hoffentlich für viele ein Neuanfang ist. Das jedenfalls wünsche ich Ihnen von Herzen."