15.03.2021, Fernsehjournalistin Maria von Welser hat trotz Corona keine Langeweile

Dieses Interview mit der dpa-Journalistin Christiane Bosch ist am 15.März an den dpa-Versand verschickt worden und in 26 deutschen Tageszeitungen erschienen

Maria von Welser hat in der Medienbranche Spuren hinterlassen. Die Journalistin entwickelte das Magazin «ML Mona Lisa», war Reporterin im Ausland, leitete das Londoner ZDF-Studio, war NDR-Direktorin. Nun genießt sie ihr «drittes Leben» - und hilft auch Armen auf Ibiza.

Hamburg (dpa/lno) - Die ehemalige Hamburger Fernsehjournalistin Maria von Welser («Mona Lisa») hat trotz der Corona-Krise beruflich wie privat kaum Langeweile. Die 74-Jährige schreibt nicht nur an einem Buch über ihr Leben und unterrichtet digital an der Universität Paderborn. Sie unterstützt zudem seit einigen Wochen gemeinsam mit ihren deutschen Freunden die Caritas auf Ibiza bei der Ausgabe sogenannten Essensboxen für Bedürftige. «Beim ersten Mal sind 100 Boxen ausgegeben worden. Es sind aber auch noch viele Boxen auf Halde, die in den nächsten Wochen ausgegeben werden sollen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Das von Rotary und Aldi unterstützte Projekt sei für viele Bedürftige eine große Hilfe. «Das sind dann lange Schlangen von Menschen, die nichts zu essen haben. 80 Prozent der Menschen auf Ibiza sind arbeitslos.» Die gebürtige Bayerin lebt mittlerweile in Hamburg und hat die vergangenen Monate in ihrem Haus auf Ibiza verbracht.

Dort schreibt von Welser im Moment auch an mehreren kleinen Büchern über ihre Vergangenheit. Das erste Büchlein habe ihre Kindheit und Jugend in den Blick genommen, das zweite drehe sich um ihre Karriere.
Das beginne mit ihrer Arbeit beim Miesbacher Merkur und höre auf mit ihrer Reise nach Japan und dem Abschied beim NDR. Diese Lektüre ist noch ausschließlich für die Familie und Freunde bestimmt. «Aber mein Agent liest es gerade gegen und wir überlegen, ob wir es - neu aufbereitet - vielleicht doch veröffentlichen. Wenn wir einen Verlag finden.»

Die gedruckten Erinnerungen über ihre Kindheit werde es dagegen sicher nicht im Buchhandel geben. «Ich habe 40 Stück drucken lassen.
Auch, damit die Kinder etwas in der Hand haben, wenn ich mal nicht mehr bin», sagte sie dazu. Von Welser war vor vier Jahren erstmals wegen eines Gehirntumors operiert worden. Etwa zwei Jahre später wurden erneut Tumore in ihrem Kopf gefunden, weshalb sie 2018 sieben Wochen lang bestrahlt wurde. Zudem hatte sie im Herbst 2020 ihre Augen operieren lassen. Ihre «Baustellen» sagt von Welser zu den verschiedenen Krankheiten und Einschränkungen. Weitere Operationen schließt sie zunächst aus: «Es ist jetzt alles gerichtet, geregelt und jetzt ist auch Schluss.» Sie wolle sich viel lieber um andere Dinge wie ihren Mann, ihre Kinder und ihre Enkeltochter kümmern. Von Welser ist in dritter Ehe verheiratet und hat fünf Enkelkinder.

Für die Büchlein habe sie auch ihre 167 Fotoalben durchgestöbert.
«Die waren mir natürlich eine große Hilfe.» Im Zuge der Recherche habe sie auch Familienchroniken ihrer Großmutter entdeckt. «Es war ganz spannend und schön und hat mir viel Freude gemacht.»

Obwohl von Welser seit vielen Jahren in Hamburg lebt, ist Bayern ihre Heimat geblieben. «Ich bin vom tiefsten Herzen Oberlandlerin. Ich bin in den bayerischen Bergen groß geworden. Das legt man nicht ab.» Sie hege aber auch eine Liebe für Hamburg. «Hamburg hat mich mit offenen Armen aufgenommen.» Sie habe sich in kürzester Zeit in der Hansestadt zu Hause gefühlt. Von Welser lebte viele Jahre mit ihrer Familie in Duvenstedt und ist vor vier Jahren in eine altersgerechte Wohnung im Hummelsbüttel gezogen. Ihre Sehnsucht nach den Bergen könne sie beispielsweise im Golfclub Oberalster stillen. «Der erinnert mich immer ein bisschen an Bayern - mit den Hügeln. Und rund um die Alster zu gehen, ist natürlich herrlich. Mitten in der Stadt geht man um einen großen See herum. Das ist was ganz Schönes und etwas ganz Besonderes.»

Von Welser war stets Journalistin mit Herz und Leidenschaft. Auch nun - in ihrem «dritten Leben» wie sie es nennt - kann sie ohne das Schreiben nicht sein. «Ich bin ein schreibender Mensch. Auch, wenn ich Radio und Fernsehen und unzählige Live-Sendungen und Dokumentationen gemacht habe. Es geht immer wieder auf das Schreiben zurück. Wenn ich schreiben darf, dann bin ich glücklich. Ich schreibe einfach gern. Ich kann nicht erklären, warum.» Dafür brauche sie keine besondere Ruhe oder den ideal angeordneten Schreibtisch mit Blick ins Idyll. «Ich kann überall schreiben. Auch mit vielen Leuten, im Dunkeln, im Stehen. Das Großraumbüro hat mich geschult.»

Dieses Konzentrieren auf das Wesentliche habe sie zudem auch beim Skifahren gelernt - Welser war als Jugendliche Meisterin im Riesenslalom. «Da müssen Sie auch innerhalb von fünf Sekunden da, fit und präsent sein. Das lernt man dann für alle Lebenslagen.»

Von Welser schaut gern auf die Zeit seit ihrem Abschied vom aktiven Journalismus. «Es ist gut gelungen. Ich habe interessante Aufgaben. Ich war viel in der Welt unterwegs. Ich habe vier Bücher geschrieben. Ich kann mich nicht beklagen.» Dennoch hat sie noch einiges vor: «Ein Buch über Frauen, Krieg, Gewalt und die mediale Darstellung würde ich gerne noch schreiben. Mit leichtem Tobak habe ich es nie so gehabt.»